Karsten Gebhardt, EfI-Bielefeld e.V.

Das Land Nordrhein-Westfalen war im Bundesmodellprogramm „Erfahrungswissen für Initiativen“ in den Jahren 2002 – 2006 mit sechs Standorten vertreten (Aachen, Düsseldorf, Köln, Arnsberg, Minden, Herford). In diesem Programmzeitraum wurden 164 Personen zu seniorTrainerInnen ausgebildet.
Zu den im Bundesmodellprogramm geförderten Kommunen sind im Rahmen der Landesförderung in NRW von 2007 bis 2012 achtzehn weitere Kommunen hinzugekommen. In der 1. Phase (2007 – 2009) wurden der Modelltransfer und die Vernetzung der seniorTrainerInnen mit der Qualifizierungsinitiative des Ministeriums für Generationen, Familie, Frauen und Integration unterstützt. Beteiligt waren die Städte Arnsberg, Bielefeld, Detmold, Düren, Düsseldorf, Hagen, Herford, Hilden, Köln, Minden, Mühlheim, Paderborn, Radevormwald, Schwerte und Wiehl. In diesem Programmzeitraum wurden insgesamt 363 Personen zu seniorTrainerInnen ausgebildet. Die Phase 2 (2010 – 2012) diente der Verstetigung und der weiteren Verbreitung und Vernetzung. Neu aufgenommen wurden die Kommunen Bergheim, Essen, Greven, Menden, Kreis Mettmann, Moers und Wuppertal. In diesem Zeitraum wurden ca. 420 Personen zu seniorTrainerInnen ausgebildet.

Mit dem Wegfall der Landesförderung wurde das Programm in den einzelnen Kommunen in Nordrhein-Westfalen sehr unterschiedlich fortgeführt, teilweise aber auch komplett beendet. Nach einer von der Diakonie Rheinland-Westfalen-Lippe und dem Evangelischen Erwachsenenbildungswerk Nordrhein 2014 in Auftrag gegeben Studie wurde in einer Auswertungstagung im Februar 2015 festgestellt, dass noch insgesamt siebzehn Anlaufstellen in NRW aktiv sind, wobei das Leistungsangebot teilweise unterschiedlich ist. Träger der Anlaufstellen sind dabei sowohl Kommunen als auch Wohlfahrtsverbände und EfI-Selbstorganisationen. In dreizehn Anlaufstellen werden nach wie vor EfI-Qualifikationen angeboten, die sich im Wesentlichen an dem Standard aus den letzten beiden Phasen der beiden NRW-Förderperioden orientieren. Daraus lässt sich schließen, dass das EfI-Programm weiterhin eine große Attraktivität besitzt und zwar sowohl bei den Verantwortlichen für kommunale Ehrenamtsstrategien und –strukturen, als auch bei den Bürgerinnen und Bürgern bzw. den ausgebildeten seniorTrainerInnen. Insbesondere im Hinblick auf die Qualifizierung von Bürgerinnen und Bürgern für die Initiierung und Übernahme von bürgerschaftlichem Engagement haben sich keine neuen vergleichbaren Strukturen oder Formate entwickelt, selbst wenn es an einzelnen Stellen auch qualitative Weiterentwicklungen wie z.B. „EfI – Kultur“ oder „EfI – Wohnen“ gegeben hat. Bedarf besteht nach der oben erwähnten Untersuchung insbesondere an kontinuierlichen und nachhaltigen (und nicht länger nur projektförmigen) Unterstützungsstrukturen sowohl auf kommunaler als auch auf Landesebene.

Bisher ist es in NRW leider nicht gelungen, eine flächendeckende und in sich kohärente Struktur der Engagementförderung zu entwickeln. So wird die Vermittlung von Freiwilligen, Qualifizierung, Beratung von gemeinnützigen Organisationen, Themenanwaltschaft und Öffentlichkeitsarbeit für bürgerschaftliches Engagement von unterschiedlichen Einrichtungstypen mal mehr, mal weniger wahrgenommen. Und auch eine Verknüpfung mit anderen Strategien der Landesregierung, etwa im Zusammenhang mit der Förderung der Quartiersentwicklung, ist wenig ausgeprägt. Vor allem wird dem Aspekt der Qualifizierung der Bürgerinnen und Bürger für bürgerschaftliches Engagement zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt. Es bleibt abzuwarten, ob es gelingt, dies in Zukunft in NRW besser zu verankern.

Mai 2015